ICB-Entwicklung

Die Evolution der IPMA ICB

Sandra Bartsch-Beuerlein GPM, IPMA, PM-Allgemein 0 Comments

Gestern habe ich vom Kollegen Dr. David Thyssen, der gerade das Programm zur Einführung der ICB4 in Deutschland leitet, folgenden interessanten Artikel erhalten. Ich finde, er fasst gut zusammen, wie sich die Erwartungen an die Kompetenzen eines Projektleiters im Laufe der Jahre entwickelt haben, daher stelle ich hier den Artikel (mit David’s Erlaubnis) einfach ein. Danke, David!

Überblick

An den historischen Entwicklungsstufen der Projektmanagement-Standards der GPM/IPMA lässt sich die Evolution des Projektmanagements als Fachdisziplin nachvollziehen. Dabei ergänzen die neu aufgenommenen Stufen jeweils die vorigen:

  • Stufe 1: Projekte werden erfolgreich, wenn die richtigen Methoden angewandt werden (und Schaffen einer sprachlichen Basis) (bis 1998)
  • Stufe 2: ICB2 – Projektmanagement ist eine Führungsaufgabe (1999-2008)
  • Stufe 3: ICB3 – Projekte werden durch ihren Kontext beeinflusst (2008-2015)
  • Stufe 4: ICB4 – Erfolgreiche Projekte benötigen professionelles Multiprojektmanagement (Programm- und Portfolio) (ab 2016, Deutschland 2018)

Als nächster Schritt ist die Verbindung von individueller und organisationaler Kompetenz unter dem Begriff der Governance zu erwarten.

Im Laufe des Jahres 2018 wird die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. ihr Qualifizierungs- und Zertifizierungsangebot auf den weltweit gültigen Kompetenzstandard IPMA ICB4 umstellen.

In diesem Artikel wird die neue Version in ihrer historischen Entwicklung eingeordnet und die Bedeutung für die Professionalisierung der Projektwirtschaft in Deutschland, Europa und der Welt dargestellt.

Entwicklung von der ICB1 zu ICB3

Der 1997 veröffentlichte PM-Kanon und die Inhalte der Ausbildung zum Projektmanagement Fachmann können als deutscher Vorläufer der International Competence Baselines (ICB) der IPMA verstanden werden. Ziel der Erarbeitung war es, eine Vereinheitlichung der Projektmanagement-Sprache in unterschiedlichen Branchen zu erreichen. Im Mittelpunkt stand die Sammlung von Projektmanagement-Methoden, deren Anwendung die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Projekte steigern sollte.

1999 veröffentlichte die IPMA den Kompetenzstandard ICB2. Dieser wurde in Deutschland als National Competence Baseline (NCB) weiterhin unter dem Namen PM-Kanon publiziert. Der Standard bestand aus insgesamt 50 Elementen. 28 Kernelemente des Projektmanagements, 14 zusätzliche Elemente und 8 Elemente aus dem Bereich des persönlichen Verhaltens. Neben kurzen Definitionen der jeweiligen Themengebiete waren auch typische Aufgaben eines Projektmanagers in der ICB2 beschrieben. Das Symbol der ICB2 war die Sonnenblume als Abbild dafür, dass es einen Kern des Faches gibt, um den sich weitere Themen ranken. In der ICB2 ist bereits das vierstufige Zertifizierungssystem (4-L-C) der IPMA beschrieben und definiert.

Die ab 2008 gültige ICB3 strukturiert unter dem Symbol des „Eye of Competence“ die notwendigen Kompetenzen in die drei Gebiete Kontext-, Verhaltens- und technische Kompetenzen.

Aktueller Standard: ICB4

Die ab 2018 in Deutschland gültige ICB4 bringt drei grundlegende Änderungen mit sich:

  • Es gibt keine nationalen Baselines mehr. Alle ca. 70 Mitgliedsländer der IPMA nutzen die identische Competence Baseline
  • In der ICB4 sind keine Rollen mehr beschrieben. Damit wird betont, dass das die Kompetenzen von unterschiedlichsten Organisationen genutzt werden können, um eigenen (Rollen-)Profile zu definieren
  • Neben Projektmanagement sind nun auch Programm- und Portfoliomanagement als Handlungsfelder (Domänen) beschrieben. Damit formuliert die IPMA den Anspruch, auch Standards für organisatorische Funktionen des Multiprojektmanagements definieren zu können.
  • Neben der Definition der Kompetenzen sind spezifische Indikatoren beschrieben, mit denen sich Kompetenz beobachten lässt.

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